Mitglieder von 1914 in Muottas Muragl

Entstehung Kegel-Club 1895 Baar

  • Im 19. Jahrhundert wurde im Lorzentobel Tuff zu Bauzwecken  abgebaut. Bei den Abbauarbeiten wurde 1863 die erste Grotte der Höllgrotten entdeckt, welche seit 1887 öffentlich zugänglich sind.
  • Zu dieser Zeit wurde der Eisenbahntunnel durch den Albis gebaut. Der leichte und poröse Tuff Baustoff liess sich gut schneiden und wurde auch zur Auskleidung in Eisenbahntunnels eingesetzt. Zwei Eisenbahningenieure (Gebrüder Josef L. Messing und Jakob Messing) waren für den Tunnelbau verantwortlich.
  • Nach der täglichen Arbeit, nach Feierabend trafen sich einige Herren zu einem gemütlichen Kegelschub. Am 20. August 1895 wurden die ersten Statuten aufgesetzt. Diese haben grundsätzlich heute noch Gültigkeit,  geändert haben seitdem nur die Zeiten und Zahlen der Beiträge und Bussen.

 

Chronik

Eine glückliche Fügung führte Ende Juli, Anfang August im Jahre 1895 einige Freunde des Kegelspiels gesellschaftlich zusammen. Die trostlose Öde des derzeitigen hiesigen geselligen Lebens vereinigte zehn Herren wöchentlich einmal zu einem fröhlichen Kegelschub im Restaurant Uster. Es zeigte sich recht bald eine glückliche Harmonie der Seelen, und es entwickelte sich bald ein freundschaftlich-familiäres Bewusstsein unter den Teilnehmern dieses Kegelabends. So war es denn nicht zu verwundern, dass der Gedanke, einen Kegelclub zu gründen, allseitig begeisterte Zustimmung fand.

Am 20. August im Jahre des Heils 1895 wurde dann auch der Kegel Club Baar feierlich gegründet, indem sämtliche zehn Herren durch Namensunterschrift unter die Statuten ihren Beitritt erklärten.

Es wurde nun im Laufe des Herbstes wacker drauflos gekegelt. Der Besuch der Klubabende war immer ein sehr guter und es herrschte stets ein froher, zufriedener Ton, ein reges durch gegenseitige Achtung und Freundschaft erwärmtes Leben. Zahlreiche Bonmots und geflügelte Worte würzten stets die Unterhaltung. Mit regem Eifer war immer unser Kassier hinter jedem her, den die schalkhafte Göttin des Spiels elend im Sinn des Spiels zu mehren. Ja das freudig rasche Ansteigen unseres Besitztums erregte so sehr die gestaltungsreiche Fantasie mancher Klubisten, dass sie bereits von den Herrlichkeiten träumten, die sie demnächst in Mailands «Eden» zu geniessen hofften.

Um uns ihre kegelumwerfende Überlegenheit deutlich vor Augen führen zu können, verschafften und schenkten die Herren Gebrüder Messing dem Kegelclub zwei Lochkugeln zu eigen. Dieselben fanden so sehr den Beifall auch der übrigen Klubisten, dass der Club noch zwei solche auf eigene Rechnung anschaffen liess.

Am 1. Oktober 1895 wurde Herr H. Weber, Geometer bei der Bauunternehmung Gebrüder Messing in den Klub aufgenommen.

Eine angenehme Abwechslung brachte in unseren Klub die Einladung der Herren Gebrüder Meier, die den Klub zur Verspeisung eines in ihrer Fischerei aufgefangenen Riesenaals ins Rathaus aufforderten. Als Vortisch dazu liess uns Herr Geometer Weber das Prachtstück einer Gothaer Wurst (Fleischrotwurst mit Gothaer original Gewürz) servieren. Diese kulinarischen Genüsse, gewürzt durch einen edlen Tropfen, den der Rössli Wirt zu Ehren des Klubs diesen Abend dem Rathauskeller entnahm, legte bald den Grund zu einer feuchtfröhlichen Stimmung

Als die frohen Weisen aus vergangener Studentenherrlichkeit und froh verlebter Jugendtage wachten in der Erinnerung frisch wieder auf und wurden mit jugendlicher Frische, Begeisterung und Korrektheit zum Vortrag gebraucht, dazwischen hinein erfreute uns Herr Braun mit manch prächtigen Tenorsolo. Wars ein Wunder, wenn wir den schnellen Stundenschlag vergassen und die letzten Ritter der Gemütlichkeit erst spät und mit vielen Hindernissen den häuslichen Herd erreichten.

undatiert, Verfasser unbekannt

 

Entwicklungen Kegelclub 1895 Baar, 1914 bis 1919 

"Diese recht elitäre Gesellschaft aus eher älteren Politikern, Unternehmern und Gewerbetreibenden trat öffentlich kaum in Erscheinung, und die Mobilmachung beeinflusste das Vereinsleben kaum. Zwar musste die Generalversammlung mehrmals verschoben werden, aber liebgewonnene Anlässe wie gemeinsame Schlittenausfahrten oder Vereinsreisen ins Berner Oberland und ins Wallis liess man sich auch 1915 und 1916 nicht nehmen. Während aber bei den übrigen Sport- und bei den Musikvereinen in der zweiten Kriegshälfte auch dank der Rückkehr von Aktivdienstleistenden ein Wiederaufleben der Aktivitäten feststellbar ist, lähmten die Folgen von Krieg und Teuerung ab 1917 nun doch auch das Vereinsleben im Kegelklub. Die Jahresberichte erhielten eine bisher nicht gekannte, fast elegische Qualität. Sichtlich resigniert schrieb Aktuar Jakob Haab im Dezember 1917: «Durch den scheusslichen Krieg ist die ganze Poesie unseres Klubs fast zum Teufel gegangen. Keine Klubreise, keine Kollermühlefahrt[,] rein gar nichts war los. Endlich im November rafften wir uns auf zu einer ganz pikanten Röteltour nach Morgarten. [... ] Hoffentlich bringt uns das neue Jahr den Frieden & mit ihm die alte lustige Fröhlichkeit.»"

(c) Auszug aus Tugium : Jahrbuch des Staatsarchivs des Kantons Zug, des Amtes für Denkmalpflege und Archäologie, des Kantonalen Museums für Urgeschichte Zug und der Burg Zug,
Band (Jahr) : 34 (2018), Link: http://doi.org/10.5169/seals-787154

 

112 Jahre Kegelclub 1895 Baar, 2007 

In der Schlussbemerkung, einer Kurzbeschreibung lebender und verstorbener Mitglieder seit seinem Eintritt 1966, schrieb Chary Hotz: 

"Der Kegelclub Baar 1895 war aus der Sicht der in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts geborenen Baarer ein sogenannter "Herrenclub" der allerobersten Liga. Meine ersten Erinnerungen an unseren Club gehen in die frühen 40er (Kriegsjahre) zurück. Wir Turner sassen im Stammlokal Hans Waldmann um nach dem Turnen noch ein Bierchen zu trinken (damals 1 Liter-Bierchübel mit Zinndeckel für etwa  60 Rappen). So nach 22.00 h erschienen die feingekleideten Herren nach ihrem Kegelschub zu einem Schlummertrunk mit Spiesswürstli. Damals völlig undenkbar, dass ich jemals diesem Eliteclub angehören würde....

Damals beschäftigte der Club noch einen sogenannten Kegelbub der die Kegel aufstellte, da die automatischen Kegelbahnen erst später aufkamen. Wenn ich mich recht erinnere, bekam der Kegelbub (er hiess Hans Fähndrich, Fabrikarbeiter in der Zinki) Fr. 2.00 und ein Bier pro Abend."